Reformationsfest 2015

Dekan Hans Stiegler

Dekan Hans Stiegler

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege!“ Psalm 119,105

Am Ende des Monats Oktober feiern wir als evangelische Christen das Reformationsfest. Ausgangspunkt aller Veränderungen der Kirche im 16. Jahrhundert war das Lesen, Suchen und Studieren Martin Luthers in der Bibel auf der Suche nach dem gnädigen Gott.

Eine der berühmten 95 Thesen, die an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen wurden lautet: „Der wahre Schatz der Kirche ist das heilige Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“

Bis heute gründet unser christlicher Glaube auf den Wahrheiten der Heiligen Schrift. Sie ist eine riesige Schatztruhe voller Weisheit für unser tägliches Leben und Glauben. Leider verzichten immer mehr darauf, diesen Schatz zu heben! Nicht wenige denken, Gottes biblisches Wort habe nur noch Altertumswert, sei weit weg vom realen Leben.

Aber wenn wir allein die gegenwärtig so große Problematik der Flüchtlinge und Asylsuchenden in den Blick nehmen, entdecken wir im AT und NT ungezählte, klare Weisungen, dass wir uns als Christen um diese Menschen zu kümmern haben: Dass wir “… den Fremden und Waisen keine Gewalt tun …“ Jer. 7,6. Dass „… der Herr die Fremdlinge behütet.“ Psalm 146,9. Jesus sagt in seiner Rede vom Weltgericht: „Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt.“ Mt 25,35.

Unsere Bibel ist kein literarisches Werk für das Bücherregal. Sie gehört gelesen, weil sie bis heute mitten ins Leben hineinspricht. Kein Bereich des menschlichen Daseins ist ihr fremd: Zeugung und Geburt, Leben und Tod, Freude und Leid, Arbeit und Feiern, Versöhnung und Wahrheit …

Wer offen ist für neue Impulse und Entdeckungen für den ist die Bibel täglich eine Fundgrube. Mit seinem Wort schenkt Gott uns Wegweisung, Trost und Halt, zeigt Sinn und Ziel unserer Wege. Gott redet bis heute durch sein Wort in diese Welt und auch unser kleines Leben hinein.

Allerdings: Dazu muss man die Bibel schon selbst in die Hand nehmen und darin lesen! Genau das können wir von Martin Luther lernen: Leben mit der Bibel, Diskutieren mit anderen über vielleicht auch strittige Aussagen. In ihr nach Antworten suchen, auch wenn wir nicht alles in Gottes Wort verstehen und begreifen. Vielleicht begreift ein anderer mehr und kann mir dabei zur Hilfe werden.

Das anstehende Reformationsfest am 31.Oktober bietet sich an, das „Buch der Bücher“ mal wieder selbst in die Hand zu nehmen und seine eigenen Entdeckungen für Leben und Glauben zu machen!

Viel Freude dabei wünscht

Ihr Hans Stiegler, Dekan

Unser Grüß Gott für den April 2015

Pfarrerin Elisabeth Küfeldt

Pfarrerin Elisabeth Küfeldt

Monatsspruch für April: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“Mt 27,54

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den Evangelien werden viele Wunder geschildert: außergewöhnliche Dinge, die Jesus getan hat, die dann auch ordentlich für Aufruhr gesorgt haben. Immer wieder fragen danach die Leute tief bestürzt „Wer ist dieser Mann?“ Einmal wollen sie Jesus zum (Brot-)König machen, ein anderes Mal regen sich etliche auf, dass er am Ruhetag nicht Ruhe gibt, sondern heilt.

Eine ganz andere Situation umgibt unseren Monatsspruch: Wir stehen mit einem römischen Hauptmann am Fuß eines Kreuzes. Oben, an diesem Kreuz, hängt Jesus, Arme und Beine festgenagelt. Gar nichts mehr kann er tun, es hat sich sozusagen „ausgewundert“. Es ist der erbärmlichste und schwächste Moment im Leben dieses außergewöhnlichen Menschen, als er da so hängt und verendet wie Hunderte vor ihm (und nach ihm) im Römischen Reich – und seltsam: Gerade in diesem Elend ist er so anders, dass der Hauptmann schlagartig erkennt: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“

Was in erstaunlichen Wundern und mitreißenden Predigten für viele verborgen geblieben ist, das erkennt dieser hartgesottene Soldat am Tiefstpunkt der „Karriere“ von Jesus: Hier trifft der Himmel auf die Erde, hier ist der Wendepunkt der Zeit, hier ist Gottes Sohn am Werk, noch in seinem Sterben!

Was ist das für ein Mensch, dem Wind und Wellen gehorchen, der Blinde sehend macht, – der jetzt alle Macht freiwillig daran gibt und als der Unschuldige für die Schuldigen stirbt? Was ist das für ein Gott, der nicht nur in Worten um die Liebe seiner Menschen wirbt, sondern in seinem Sohn selber die Schuld der Menschen auf sich nimmt und bezahlt?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich in diesen letzten Passionstagen packen lassen von diesen Fragen. Dass Sie an Karfreitag in die Gottesdienste unserer Gemeinde gehen und hinschauen, was der Gottessohn für uns, für Sie getan hat. Und dass Sie an Ostern von Herzen den Sieg dieses Jesus über den Tod mitfeiern können.

Denn tatsächlich ist unser Monatsspruch ein bisschen falsch: Jesus ist nicht der Gottessohn gewesen, er ist’s bis heute, denn: Er lebt!

Herzlich grüßt Sie

Ihre

Pfarrerin Elisabeth Küfeldt

Karfreitag: Jesu Kreuzigung und Tod

Detailbild des Altars im Chorraum

Detailbild des Altars im Chorraum

… und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. » Weiterlesen

Auf ein Wort – von Dieter Fischer

Auf ein Wort

Auf ein Wort

Jedenfalls heißt es von ihm: „Er kam in seine Welt, aber die Menschen nahmen ihn nicht auf“. (Joh. 1,11)

Jesus kann also nachfühlen mit den Asylbewerbern, die seit Anfang November 2012 im Ortsteil Obereichenbach in der eilig umgebauten Grundschule wohnen.

Was begegnet den Menschen, wenn sie auf der Flucht schließlich in Deutschland landen: Aufnahmelager Zirndorf, Befragung, Fingerabdrücke, Unterkunft, Warten, Hoffen, Bangen, Angst vor Polizei und Behörden, Misstrauen. Verlegung in eine andere Unterkunft. Vielleicht in die Schule nach Obereichenbach. Und hier?

Es war ein Glück, dass einige Menschen im Ort von Anfang an wohlwollend auf die Asylbewerber zugegangen sind, andere reden wohlwollend über sie. Auch das ist ein Glück. Ja, manche reden von „unseren Asylanten“. Schließlich haben sie so einiges miteinander erlebt! Da war das Bangen um die zwei serbischen Familien, ob sie bleiben dürfen. Nein, noch vor Weihnachten wurde ihnen der Ausreisetermin zugeschickt. Wenn nicht, droht die Abschiebung. Dann Verabschiedung im Asylantenheim mitten in der Nacht: Hilflosigkeit, Tränen, Umarmung zwischen Muslimen und Christen. Wieder auf der Flucht! Zurück. Mit den Kindern. Jesus war auch als Baby schon auf der Flucht. Roma waren sie. Das war ihr „Fehler“. Was hilft es ihnen, dass am 24.Okt. 2012 in Berlin eine Gedenkstätte für die 5.000.000 im Dritten Reich ermordeten Sinti und Roma für 2,8 Mill. Euro enthüllt wurde? Sie dürfen nicht vergessen werden, ja! Aber wie gehen wir heute mit ihnen um? Der Einsatz für die ca 50 Asylbewerber geht weiter. Arztbesuche müssen organisiert werden, Kontakt zur Güllschule muss gehalten werden, man braucht Übersetzer für die z. Zt. fünf verschiedenen Sprachgruppen, ein Sprachtraining zweimal in der Woche läuft, Hausaufgaben, Spielzeiten für Kinder sind nötig, Sachspenden werden entgegengenommen und verteilt, Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Ausländeramt wird geübt und die Oberbürgermeisterin hat ihre Hilfe zugesagt. Seit Januar 2013 arbeitet auch eine Sozialarbeiterin als Halbtagskraft im Heim.

Die ehrenamtlichen Helfer sind nicht nur hineingeworfen worden in eine plötzliche Ausnahmesituation, sondern wurden konfrontiert mit dem „Asylrecht“, diesem geheimnisvollem Paragraphen-dschungel, das von außen gesehen manches Unrecht beinhaltet. Laut einem Radiobericht gab es 2007 19.000 Asylanträge, 2012 waren es aber 63.000 Asylanträge, wobei die Zahl der Mitarbeiter aber gleich geblieben ist. Manche Asylbewerber warten deshalb 2 Jahre auf ihren Bescheid. Nur Sinti und Roma werden „bevorzugt“ nach Hause geschickt. Aber das ist es ja, was die Flüchtlinge suchen: ein „Zu Hause“! Sonst wären sie nicht zu uns gekommen.

Wie stehen wir als Christen dazu, wenn uns die Bibel in 3.Mose 19,34 sagt: „Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der Herr, euer Gott“. Das wurde den Israeliten damals gesagt. Heute nicht mehr gültig? Heute gilt das Asylgesetz? Nicht nur das Schicksal der Asylbewerber macht sehr, sehr traurig – die traumatischen Erlebnisse durch Verfolgung, Diskriminierung, Misshandlung, Erniedrigung werden aber selten erzählt – sondern unsere Asylpolitik macht traurig, hilflos, wütend.

Dieter Fischer

Seelsorge am Krankenbett

Kapelle im Krankenhaus

Kapelle im Krankenhaus

Ein Angebot

„Guten Morgen! Ich bin Pfarrer fürs Kranken­haus. Wenn Sie möchten, würde ich Sie besuchen!“ So stelle ich mich vor. Wenn der Patient oder die Pat­ientin zustimmt, was die aller­meisten tun, be­grüße ich mit Handgeben. Ich nehme mir einen Stuhl und setze mich zum Bett. Dann frage ich „Wie geht es Ihnen?“ Unser Dienst als Klinikseelsorger ist mei­st­ens aufsuchend, d.h. wir wählen eine Station aus und bieten von uns aus den Besuch an. Wir können damit aber nur einen Teil der Patienten errei­chen. Besteht ein ausdrücklicher Besuchs­wunsch, muss er uns deshalb bitte mitgeteilt werden.


Der Stein auf dem Herzen

Die Klinikein­weisung und erst recht eine schwere Erkrankung legt sich wie ein Stein aufs Herz. Der Mensch fühlt sich fremdbestimmt, wird zum Objekt eines Geschicks, das ihn unge­fragt trifft. Vorübergehend oder auch schick­sal­­haft verän­dert es sein Leben. In gewisser Weise wird er auch zum Objekt der Maß­nahmen und der unge­wohnt­en Umstände in der Klinik, denen er sich in der Hoffnung auf Hilfe unter­ziehen muss. „Was will ich machen? Ich muss es nehmen.“ So formulieren die Patienten oft ihre Situation. Erfährt ein Kranker dann Besserung oder Genes­ung, darf er sich wieder mehr als selbst bestim­m­ter Mensch sehen. Der Stein fällt vom Herzen oder wird wenigstens leichter.

Dass der Patient darüber ent­scheidet, ob er meinen Besuch möchte, ist Höflichkeit und mehr. In Medizin und Pflege spricht man heute von der Auto­nomie des Pat­ien­ten. Gemeint ist, dass nicht über ihn ver­fügt wird, sondern dass er als Partner mit entscheidet und ernst zu nehmen ist. Seelsorge hat ohnehin dieses Ziel, den Mensch­en in seinem Selbstsein, seinem Ich zu stärken. Nur so kann er in uner­wünschten Um­ständen eine passende Haltung entwickeln.


Was der Patient oder die Patientin braucht

Arzt oder Ärztin und Pflegekräfte bleiben bei der Visite am Bett stehen. Durch mein Platz­neh­m­en auf dem Stuhl wird klar: Der Seelsorger ist jetzt ganz da, er bringt Zeit und Aufmerksamkeit mit. Umge­kehrt be­deutet es, den Besuch recht­­zeitig und oft auch bald zu be­en­den. Es kommt nicht auf die Dau­­er an, sondern darauf, dass sie dem aktu­ellen Be­­darf an­ge­mess­en ist. Da kann es z.B. sein, dass ein Gespräch im Moment nicht mög­lich ist, weil jemand sehr müde und schwach unter seiner Decke liegt. Doch er oder sie beant­wortet meine Frage: Soll ich vielleicht ein Gebet für Sie sprechen?“ mit „Ja, gerne!“

Mancher versteht Seelsorge als Zuspruch mit wohlge­­meinten guten oder auch fromm­en Wor­ten. Solche „Aufmunterung“ hat auch ihr Recht, doch der Kranke erfährt sie ohnehin durch Be­sucher oder Klinikpersonal. Eine Rolle spielt dabei auch, dass wir Gesunden uns unbewusst selbst damit aufmuntern oder schützen ange­sichts des Leids, das wir alle lieber von uns fern halten möchten.

Fürbittkerze im Krankenhaus

Fürbittkerze im Krankenhaus

Zwei offene Ohren

Mit der Eröffnungsfrage „Wie geht es Ihnen, Frau N?“ rückt jedoch die Patientin selbst in die Mitte. Dem entspricht, was A und O von Seel­sorge ist, nämlich zuzuhören. Das klingt fast banal, das kann doch jeder, denken wir. Doch wer hört wem wirklich zu? Ohne ins Wort zu fallen, ohne gleich Eigenes vorzubringen, ohne zu belehren, zu informieren, zu diskutieren? Und wer ist bereit zu hören, was wir sonst nicht erzählen? Nicht, weil es ein großes Ge­heim­nis ist, sondern weil einfach kein offenes Ohr dafür da ist. Ein Kranker merkt schnell, was er mit wem und wann besprechen kann. Und es ist so wichtig für ihn, denn Erzählen und Anteilnahme erleichtert, ja fördert die Heilung an Leib und Seele.

Durch die eigene Erzählung seines Krankheits -und Thera­pie­­verlaufs, seiner Lebensumstände und oft auch seines Le­bens­­weges, gewinnt der Mensch wieder ein Stück seiner selbst zurück. Er hat ja die Auf­ga­be, die Realität und die Vor­stell­ung von sein­em Leben erneut auszu­ba­lan­c­ieren.

Besuch und Anteilnahme durch Angehörige sind entscheidende Hilfe. Anderer­seits tun wir uns gerade als Angehörige manch­mal schwer mit Zuhören, mit Akzeptieren und einem offenen Ge­spräch. Als Seelsorger sind wir nicht be­troffen wie Ange­hörige. Wir befinden uns auch nicht auf der sach­lichen Ebene der Medizin oder Pflege. Dies ermög­licht eine andere Art von Nähe. Womit ein Mensch im Kontakt vorsichtig ist und zurück­haltend, kann ungehindert zum Thema wer­den.


Starke Gefühle

Dankbarkeit für Besserung und Freude über Entlassung kommen leicht aus dem Herzen. Doch die Zeit im Klinikbett ist auch mit anderen Gefühlen verbunden: Ärger und Enttäuschung über Rück­­­schläge oder Kompli­kationen. Angst, wie es wei­t­er­­geht. Die Unge­­rechtigkeit des Le­bens er­tra­g­en müssen. Trauer über Verlust der körper­lichen Unver­sehrt­heit oder Verlässlich­keit. Ver­zicht auf Selbständigkeit im Alter. Auf Hilfe angewiesen sein müssen. Das Ende des Lebens bedenken und betrauern müssen.

Ziel der Seelsorge ist, dass ein Raum des Ver­trauens und der Akzeptanz entsteht, in dem der Mensch seine Maske, die ihm sonst hilft und die er gewohnt ist, ablegen oder auch nur ein wenig lockern kann. Hier kann er ehrlich sein, Spann­ung und Druck lassen nach. Tränen, seelischer Schmerz oder starkes Gefühl darf abfließen. Die Beutel am Leib der Patienten zeigen, wie nötig solches Ab­fließen ist. Die Eingangsfrage „Wie geht es Ihnen?“ führt mit dem Verlauf des Ge­sprächs zum wahren Befinden.

Fürbittbuch im Krankenhaus

Fürbittbuch im Krankenhaus

Was hilft und trägt

Wenn dann Belastendes genügend aus- oder angespro­chen ist, kommt in der Regel ebenso das Hilf­reiche, Ermut­igende und Stärkende zu Wort. Nicht durch den Seelsorger, sondern durch den Patien­ten oder die Patientin selbst. Die Art des Zuhörens aber hat dazu bei­ge­tragen, dass ein Mensch dann z.B. sagt: „Na ja, irgend­wie wird es schon werden!“ Oder: „Der liebe Gott hat mir schon oft gehol­fen, der wird es schon recht machen!“ Oder: „Ich merke, auf meine Familie ist Verlass!“ Diese Zuversicht ist dann keine Fertig­wahrheit, sondern Licht­strahl, der aus dem Dunkeln wieder neu aufleuchtet. Vielleicht ist es keine neue Erkennt­nis, aber für diesen Menschen das Bewährte, die Strategie, die gerade jetzt  wieder wichtig ist. Darf er es anderen erzählen, stärkt es ihn selbst.

Gott ist fern und nah

Und wie steht es mit Gott in der Seelsorge? Er selbst ist schon im Zimmer. Durch mein Komm­en als Pfarrer rückt er aber mehr in die Mitte. Im Gespräch ist er meistens gar kein großes Thema. Und Seelsorge predigt nicht. Doch die Seele des Patienten fragt nach ihm und er nach ihr. Und es geht um beides, seine Ferne und seine Nähe. In Angst oder Trauer, in Sorge oder Beschwer­den und in der Endlichkeit unseres Lebens, rückt Gott uns fern. Und doch will er uns gerade da na­­he sein. Dieses Paradox löst die Seelsorge nicht auf. Es bleibt als Spannung und wird gerade so zum Raum und zur Führung für den inneren Weg des Men­schen.

Dankbarkeit für Hilfe und Genesung ist eine Frucht dieses Weges. Durchstehen oder Durch­leiden aber heißt, sich festzuhalten am Ver­sprechen der Hilfe, wie sie von Gott kommt. Aufgabe der Seel­­sorge ist es, darin den Kranken achtsam und respekt­voll zu beglei­ten. Auch in der Ergebung am Ende unheilbarer Er­krankung samt Ohnmacht und Trauer. Dass die Medizin heute stärk­ste Körperschmer­­­­­­zen oder anderes wirk­­­­­sam be­kämp­fen kann, ist dabei eine große Hilfe.

Die Hände falten 

Am Ende der meisten Besuche spreche ich nach Zustimmung des Patienten ein Gebet. Manche hoffen ohnehin darauf. Im Religions­unter­richt habe ich den Kindern gesagt: „Der liebe Gott zaubert nicht!“ Das heißt hier, er bedient sich der Klinik. Er gebraucht die Mühe, die Sorgfalt und die Kom­pe­­tenz ihrer Fach­kräfte. Das Gebet am Kranken­bett ist des­halb Bitte für das Gelingen der Thera­pie und Besse­rung der Beschwerden. Es ist Bitte um Geduld, um Gottes Kraft für Leib und Seele. Und es ist Dank für Hilfe, Besserung oder Heil­ung. Auch besondere Punk­­te aus dem Gespräch werden darin aufge­nommen.

Mit Evangelischen bete ich manch­mal den Psalm 23. Immer folgt das Vater­unser. Es ist die Brücke, die Christus uns zum Vater im Himmel und auch zueinander gegeben hat. Diese schlich­te An­dacht endet mit dem Segen, in den ich als per­sön­lichen Zuspruch den Namen des Patienten einfüge.

Im Klinikgottesdienst am Samstagabend hat außer der Fürbitte für die Patienten auch die Fürbitte ihren Ort für Pflegekräfte, Ärzte und alle weiteren Dienste.

Wir Seelsorger

Was nun umgekehrt uns selbst als Seelsorgern hilft und ermutigt, ist die Dankbarkeit der Pa­tien­t­­en. Auch das Wissen, dass wir nicht Eigen­es tun oder weiter­geben, sondern dass Segen, Heilung und Heil des Menschen Gottes Werk sind.

Wichtig sind weiter: Die kollegiale Zusammen­arbeit mit den vielen anderen in der Klinik Tätig­en. Das Teamwork mit meinem katholisch­en Kollegen Franz Grulich, auch die Anbindung an die Kir­ch­en­gemeinde St. Johannis, das Kolle­gi­­um und den Kirchenvorstand. Aufrichtiger Dank gebührt den Ehrenamtlichen in der Klinik­seel­sorge: Frau Ger­traud von Lips und Frau Anita Brünig von evangelischer, Frau Frau Do­ro­thea Richter und Frau Rosa Schweiger von kathol­i­scher Seite. Wenn ich Ende Oktober in Ruhe­stand gehe, wird die Seelsorge am Klini­kum und der Rangau­klinik als künftige halbe Stelle ver­bunden mit der halben Pfarrstelle Werns­bach. Ebenso miteinem Viertel der Pfarr­stelle Groß­haslach.

Ihr Pfr. Walter Steinmaier

 

 

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