Mittagsgebet für Samstag, 18. April 2020

Das Gebet zum heutigen Tag wird/wurde um 12 Uhr auch in St. Gumbertus gebetet.

Es gibt schon wirklich schräge Gedenktage. Es gibt eine Tag des Apfels, einen Weltpuzzletag oder sogar einen „Wenn-Haustiere-Daumen-hätten-Tag“. Morgen, am 19. April nun ist der Tag des Knoblauchs. Wie passend. Der richtige Tag um freiwillig mindestens 1,5 m Abstand zu halten.

Knoblauch spaltet die Gemüter. Die einen rümpfen angewidert die Nase, die anderen lieben ihn und preisen seine gesundheitliche Wirkung. Ist eben Einstellungssache, ob der Tag des Knoblauchs ein Tag zum Feiern oder zum Wehklagen ist.
Knoblauch ist freilich nicht erst seit den Dönerbuden in aller Munde. Auch die Bibel kennt ihn. Er taucht zum Beispiel in einer biblischen Geschichte der Wüstenwanderung auf. Im 4. Buch Mose, Kapitel 11 heißt es:
1 Und das Volk wehklagte vor den Ohren des HERRN, dass es ihm schlecht gehe. Und als es der HERR hörte, entbrannte sein Zorn, und das Feuer des HERRN loderte auf unter ihnen und fraß am Rande des Lagers. 2 Da schrie das Volk zu Mose, und Mose bat den HERRN; da verschwand das Feuer. 3 Und man nannte die Stätte Tabera, weil hier das Feuer des HERRN unter ihnen aufgelodert war. 4 Das fremde Volk aber unter ihnen war lüstern geworden. Da fingen auch die Israeliten wieder an zu weinen und sprachen: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? 5 Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und an die Kürbisse, die Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch. 6 Nun aber ist unsere Seele matt, denn unsere Augen sehen nichts als das Manna.

Wenn’s einem schlecht geht, dann ist das Wehklagen sehr nah. In dieser Geschichte platzt deswegen Gott der Kragen. Es ist die dunkle Seite Gottes, die das Alte Testament immer wieder schildert. Nachzuvollziehen wäre es ja. Warum immer dieser Undank? Fragt er sich womöglich. Und ich kann mir vorstellen, dass Gott gar nicht mal wegen sich selbst so sauer ist. Er kennt ja seine Menschen allzu gut. Er weiß, wie sie eben sind. Ich glaube ja, dass er um der Menschen willen so sauer ist. Denn sie tun sich ja selbst nichts Gutes mit ihrem ständigen Wehklagen. Und im Verklären der Vergangenheit. “Alles wäre soo schön gewesen früher”. Aber rückwärtsgewandte Knoblauch-Gedanken führen auch nicht weiter. Drum: Gott ermuntert uns, die Aufgaben anzunehmen, die uns gestellt sind. Er ermuntert uns, mutig voraus zu schauen. Da wartet noch was auf uns. Etwas Gutes!

Lasst uns beten:
Gott, Du setzt Hoffnung in uns, 
lädst ein, Deine Gaben zu sehen und mutig voraus zu blicken.
So entdecke unsere Hoffnung deine Liebe.
wir bitten dich:
Erlöse uns von mancher Schwarzmalerei und Verschwörungstheorien,
befreie uns von mancher Tendenz, in allem nur das Schwere und Bedrohliche zu sehen,
lass uns die rückwärtsgewandten Knoblauch-Gedanken ablegen.
Führe uns über manche Enttäuschung hinaus, in denen wir uns verstecken vor allem, was wir eigentlich verantworten müssten.
Lass uns Vertrauen finden und Vertrauen schenken – und uns zur Liebe entschließen.
Gib uns das Vermögen, mit unseren Worten andere aufzurichten und Hilfe zu leisten mit dem, was wir ins Werk setzen.
Das bitten  wir für uns und für unsere Mitmenschen nah und fern.
In der Stille nennen wir Dir unsere ganz persönlichen Anliegen und die Menschen, die uns besonders am Herzen liegen:
Vater unser, Segen.

Pfarrer Thomas Meister